Donnerstag, 25. Mai 2006

Mittwoch, 24.05.2006 ::: Astorga bis El Acebo

Angekommmen sind wir heute in El Acebo, wir wollten es ja nicht anders. Unsere ursprüngliche Planung, minimal bis Rabanal el Camino (21 km), maximal bis Foncebadon (27 km) warfen wir aus verschiedenen Gründen über den Haufen. Erstens hatte Thomas kaum noch Probleme mit seinen Füssen bzw. Blasen und meine anfänglichen Halsschmerzen waren in Rabanal el Camino auch schon wesentlich besser. Zum zweiten öffnet die Herberge in Foncebadon erst um 15:00, was fast drei Stunden Wartezeit bedeutet hätte. Und drittens war das Wetter heute so genial, dass wir dieses "Bergwetter" einfach ausnutzen mussten.
Astorga liessen wir recht bald hinter uns und durchquerten die hügelige und karge Landschaft der Maragatería.
Ausgehend von ca. 800 m NN in Astorga stieg der Weg langsam und gleichmässig an. Über Santa Catalina (1000 m) und El Ganso (ca. 1100 m), wo wir unsere Vorräte für unterwegs noch einmal ergänzten, stieg der Weg, der mittlerweile keine Piste mehr war sondern zunehmend in steinige Trampelpfade überging, bis auf knapp 1200 m in Rabanal an. Wir hielten uns dort nicht auf, sondern liefen gleich weiter bis Foncebadon (1400 m NN), ein weitgehend verfallenes Dorf, wo wir in der einzigen Bar bei einem Tonkrug Coca-Cola die Entscheidung, den Pass zu überqueren, gemeinsam fällten. Die Bar hat übrigens etwas: von aussen völlig unscheinbar, zeigt sie sich innen urgemütlich.
Der weitere Weg durch die Berge von León war zwar steiler als zuvor aber immer gut zu bewältigen. Nach der zuletzt endlosen Monotonie der Ebene war es eine wirkliche Abwechslung, Berge, weisser Ginster, meterhohes Heidekraut, blauer Himmel und Sonnenschein, absolute Stille, nur unterbrochen von irgendwelchem Getier - einfach phantastisch.
Oben auf der Passhöhe von 1504 m passierten wir das "Eiserne Kreuz", das auf einem 5 m hohen Eichenstamm inmitten eines gewaltigen Steinhaufens steht. Das Ablegen und damit Anhäufen von Steinen durch vorbeigehende Pilger und Wanderer hat schon eine lange Tradition und besteht schon seit dem Mittelalter.
Der Höhenverlauf insgesamt hatte heute etwa die Form eines "M". Wir befanden uns jetzt auf dem ersten Gipfel und stiegen hinunter nach Manjarin, ein ebenfalls weitgehend verfallenes Dorf, um danach den zweiten Gipfel dann in Angriff zu nehmen. Landschaftlich weiterhin unveränderte Spitzenklasse.
Der Abstieg nach El Acebo war steil und mühsam, weil der Trampelpfad mit festen und losen Steine nur so gespickt war.
Jetzt merkte ich, dass meine Füsse und Knie genug hatten. Ich sehnte El Acebo herbei. Um 15:30 hatten wir unseren Platz in der Herberge und duschten uns die Strapazen vom Leib.
El Acebo ist ein malerisch schönes Bergdorf, das zum "Bierzo" gehört, der letzten Region der Provinz León, bevor wir Galicien erreichen.
Wir haben hier in El Acebo auch wieder Susanna (Sansol-Bekanntschaft) getroffen und Bekanntschaft mit Henry, einem Kanadier gemacht; auch Allan ist heute hier angekommen.

Strecke: heute: 39 km / gesamt: 567 km
dabei 800 Höhenmeter im Anstieg und 400 Höhenmeter im Abstieg.

Kommentare:

  1. DI Fischer Wolfgang4/30/2008 8:38 vorm.

    Sehr geehrte Verfasser!

    Bin heute zufällig auf Ihre Beschreibung des Camino gestoßen. Wier es der Zufáll will, sind meine Tochter und ich am gleichen Tag, den Mittwoch von Astorga losgegangen. Haben übernachtet in Rabanal, am nächsten Tag in Molinaseca usw. Was uns besonders freute, war das herrliche Wetter, das uns bis Santiago, wo wir am 4. Juni 2006 zum Pfingstgottesdienst um 12.00 Uhr eintrafen begleitete. Auch beim Rückflug müssen wir im gleichen Flieger gesessen sein (Air Berlin über Mallorca nach Wien).
    Stichwort Wetter: Ich bin alleine vom Somportpass am 26. 4. 2006 losgegangen und hatte bis auf einen einzigen Halbregentag nur schönes aber kühles Wetter.

    Zum Schluss: Kann man auch frühere Beiträge lesen?

    mit herzlichen Grüßen
    Fischer - Pitten

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  2. Hallo Wolfgang,

    wir waren auch über Pfingsten in SdC, sind dort allerdings schon freitags angekommen und waren dann am Ankunftstag sowie am Samstag nochmals (auch wegen der dort singenden Nonne) in der mittäglichen Pilgermesse.
    Am Pfingstsonntag waren wir dann um 10:00 Uhr beim Festgottesdienst.
    Leider können sowohl meine Frau als auch ich uns nicht an einen Vater aus Österreich, der mit Tochter seiner Tochter unterwegs war, erinnern.
    Uns ist ein italienischer Vater mit Tochter (Francesco mit Francesca) in Erinnnerung sowie ein österreichischer Vater (Hr. Bleier), der mit Sohn unterwegs war.
    Es waren damals zwar nicht allzu viele Leute unterwegs aber trotzdem noch so viele, dass man nicht mit allen in Kontakt kam, kommen konnte.

    Zum Blog selbst: Klar kann man auch ältere Beiträge ansehen; entweder unten links über den 'HOME'-Link oder direkt über http://www.caminofrances2006.blogspot.com auf dei Hauptseite unseres Blogs wechseln. Dort können dann auf der rechten Seite unter 'Archiv' die Monate Mai oder Juni 2006 aufgerufen werden, wo man dann die Beiträge des entsprechenden Tages einblenden kann.

    Hat uns jedenfalls gefreut, dass sich jemand gemeldet hat, der zeitgleich mit uns unterwegs war.
    In 2007 waren wir auf der Ruta del Baztan (Camino Santiago del Baztan) von Bayonne über Elizondo nach Pamplona und auf dem Camino aragonés zwischen St. Eunate und Somport-Pass unterwegs, aber das ist eine andere Geschichte.

    Saludos
    Thomas

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