Montag, 22. Mai 2006

Freitag 19.05.2006 ::: Terradillos de los Templarios bis El Burgo Ranero

Ohne Frühstück brachen wir heute morgen noch im Halbdunkel auf. Nach sternenklarer Nacht war es noch bis gegen 8:00 Uhr frostig kalt und trotz Fleece-Jacken und zügigem Gehtempo wurde es nicht richtig warm. Die 13 km bis Sahagún waren recht eintönig, meist verlief die Stecke neben der Landstrasse.
Mittlerweile haben wir Palencia verlassen und befinden uns in der Provinz León. Die Landschaft war soweit wir sehen konnten, sozusagen soweit das Auge reichte, wirklich topfeben. Die einzige Abwechslung waren Frosch- bzw. Krötenkonzerte, die wir mal rechts mal von links des Weges hörten.
Das Gehtempo kam mir heute sehr entgegen, da Thomas Probleme mit seiner fünften Blase hatte und sogar daran zweifelte, je in Santiago anzukommen. Gestern noch sagte er, dass er notfalls in Sandalen nach Santiago laufen würde. In Sahagún entschieden wir uns, gegen unseren ursprünglichen Plan auf der Hauptroute zu bleiben, da wir mittlerweile erfahren hatten, dass auf dem Nebenweg ein tiefer Bach zu durchqueren war und dies mikt Thomas' Blasen nicht kompatibel war.
Thomas veränderte in Sahagún die Schnürung an seinen Schuhen und damit und mit dem Frühstück ging es dann anschliessend besser.
Über Calzada del Coto erreichten wir Bercianos del Real Camino, wo wir in einer Bar nochmals einen kurzen Zwischenstopp einlegten. Die letzten 8 km bis El Burgo Ranero verliefen nicht allzuweit von der Autobahn entfernt, was wir entgegen den Ausführungen des Reiseführers überhaupt nicht als störend empfunden haben. Der Wind blies so stark, dass das Windgeräusch den nicht allzu starken Autobahnverkehr komplett übertönte.
In El Burgo Ranero bekamen wir in der gemeindeeigenen Herberge Platz, die im traditionellen Stil der 'Tierre de Campos' aus Lehmziegeln erbaut wurde. Die Herberge ist sehr gut ausgestattet (8 Bett-Zimmer, WaMa, Trockner, saubere sanitäre Anlagen, Internet) und läuft auf Spendenbasis.
Als Thomas gerade nach dem Duschen seine Blase Nr. 5 behandeln wollte, eilten ihm zwei Spanier, die wir die letzten 2-3 Tage immer wieder auf dem Weg gesehen hatten, zu Hilfe. Während der eine erklärte, wo er schon überall in Deutschland war, packte der andere Nähutensilien und ein Blasenpflaster aus. Mit einer Nadel zog dieser dann einen Faden durch die Blase, kürzte diesen und befestigte darüber das Blasenpflaster. ¡Muchas gracias!
Den Rest des Tages werden wir mit Essen, Trinken, Nichtstun/Schlafen verbringen.
Vor dem Abendessen drehten wir nochmal eine Runde durch das Dorf. An der Kirche fielen uns die dort kürzlich erneuerten bunten Kirchenfenster auf. Die Kirche selbst war wie die meisten spanischen Kirchen verschlossen. Unerwartet kam aus einem Nachbarhaus ein alter Mann auf uns zu und fragte, ob wir die Kirche ansehen wollten und schloss daraufhin auf. Voller Stolz zeigte er uns die drei neuen, von der Form her völlig atypischen Kirchenfenster (von der Form her völlig atypisch), die Figuren im Altarbereich und die aus Holz völlig neu gestaltete Innendecke. Er vergewisserte sich mehrmals ob uns die Kirche auch gefällt und erklärte danach, dass die Renovierung "mucho trabajo" (viel Arbeit) erfordert hat, wobei er gleichzeitig mit verschmitztem Blick Zeigefinger und Daumen in typischer Weise rieb. Er verabschiedete uns mit einem herzlichen 'Buen camino' per Handschlag (Thomas) und per Wangenkuss (mich).
Unabhängig davon ist uns von Anfang an aufgefallen, dass die Spanier in dieser Region sehr freundliche Menschen sind.

Strecke: heute: 32 km / gesamt: 437 km

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